Folgende Nebenwirkungen von Hörgeräten kommen dir vielleicht schon bekannt vor:
- Orientierungslosigkeit und Kopfschmerzen bei unregelmäßigem Trageverhalten
- Verschlusseffekt der eigenen Stimme
- Verschlossener Gehörgang kann zu Juckreiz im Ohr führen
- Falsch eingestellte Hörgeräte können den Hörverlust verschlechtern
Im Folgenden erkläre ich dir aus meinen Erfahrungen als Hörgeräteträgerin, wie du diese Nebenwirkungen so gut es geht vermeiden kannst:
Hörgeräte sind Moderne Hochleistungscomputer, die uns Schwerhörigen ermöglicht wieder voll am Leben teilzuhaben. In einem Hörgerät steckt, wenn wir es mal laienhaft ausdrücken, ein Verstärker, der Töne aus der Umwelt, für unser Gehör passend lauter macht. Und hier sind wir auch schon bei der ersten Gefahr der Wundermaschine. In heutigen Hörgeräten steckt teilweise so viel Power, dass sie über 140 dB an unser Trommelfell schicken können. Das ist der Schalldruck, der beim Start eines Jets direkt am Triebwerk gemessen wird. Also ist Vorsicht geboten! Hörgeräte sind medizinische Hilfsprodukte und müssen professionell auf Deinen Hörverlust eingestellt werden. Ist das Gerät einmal auf dein Gehör eingestellt, kann dir dein Akustiker die Möglichkeit geben die Lautstärke, bzw. den Klang des Hörsystems fein einzustellen. Dies ist vor Allem in schwierigen Situationen hilfreich, damit du schnell Änderungen vornehmen kannst. Bei diesen Änderungen sprechen wir allerdings von ca. 10 dB mehr oder weniger von deiner Grundeinstellung. Hiervon geht also keine Gefahr aus. Besonders in der Eingewöhnungszeit mit neuen Hörgeräten hat man selbst das Gefühl die Umgebung sei zu laut. Auch hier gilt wieder: Wurde das Gerät professional auf dein Gehör eingestellt, kommen diese Eindrücke höchstwahrscheinlich daher, dass du viele Geräusche nicht mehr gewöhnt bist. Versuchst du diese zu Orten und ordnest sie der richtigen Schallquelle zu, fällt die Gewöhnung umso leichter.
Hörgeräte funktionieren erst dann wirklich gut, wenn die Schallabgabe ins Ohr geschlossen erfolgt, also ausschließlich Schall ans Ohr kommt, der vom Hörgerät zuvor gefiltert wurde. Welche genauen Funktionen ein modernes Hörgerät hat erkläre ich euch in einem bald folgenden Post. Grundsätzlich sollte aber klar sein, das wenn sich das Gerät alle Mühe gibt das Signal zu bereinigen es kontraproduktiv ist, wenn gerade diese Störgeräusche direkt auch ungefiltert ins Ohr gelangen. Steckt man sich den Finger ins Ohr merkt man allerdings, dass die eigene Stimme unangenehm verschlossen klingt. Dies ist der so benannte Verschlusseffekt und seine Auswirkung auf die eigene Stimme. Durch individuelle Ohrpassstücke kann dieser Effekt meist sofort beseitigt werden. Aber Achtung! Leider ist diese handwerkliche Kunst heute bei vielen Akustiker verloren gegangen und so wird direkt, wenn der Kunde sich über ein verschlossenes Gefühl beklagt das Ohr geöffnet. Im ersten Moment hilft das auch und du wirst zufrieden sein, dein Hörgerät müht sich aber fortan vergeblich deutlich mehr ab.
Ein weiteres Problem des heutigen Preiskampfes bei Hörgeräten ist es, dass Kunden schlichtweg zu wenig in die erste Zeit mit Hörgerät eingewiesen werden. Bekommst du dein erstes Hörgerät, egal wie viel es kostet, egal welcher Hersteller, du musst es kontinuierlich unter Tags tragen! Nur so kann sich dein Gehirn auf das neue Hören einstellen. Stell Dir vor dir fehlt eine Hand. Lange Zeit hättest du Probleme dich an das Leben mit nur einer Hand zu gewöhnen. Nach etlicher Zeit meisterst du dein Leben mit nur einer Hand. Nun bekommst du die neuste Handprothese, die es auf dem Markt gibt. Du legst sie an und probierst etwas herum. Plötzlich wirft dir eine Person einen Ball zu. Du versuchst ihn mit beiden Händen zu fangen, doch natürlich scheiterst du, weil du noch nicht gewöhnt bist mit der Prothese umzugehen. Legst du die folgenden Tage die Prothese immer den ganzen Tag an wirst du dich daran gewöhnen. Tust du das nicht, sondern trägst sie immer nur dann, wenn du unbedingt beide Hände brauchst wirst du dich nie an sie gewöhnen. Daher ganz wichtig! Aufwachen, dann aber direkt dein Hörgerät rein! Und erst wenn die Augen zufallen darf es wieder raus. Also quasi auf deiner Bettkante. Da ich Hörakustikmeisterin und kein Arzt bin kann ich nur von meiner Erfahrung sprechen und dir sagen, dass sich so mein Hörverlust über die letzten 10 Jahre auf demselben Niveau gehalten hat. Und das verblüffend obwohl ich den ganzen Tag meine Geräte trage und ich sicherlich viel zu hören bekomme den Tag über. 😀
Abschließend möchte ich noch auf den vermehrten Juckreiz im Ohr, der durch den Fremdkörper Hörgerät verursacht wird eingehen. Stört dich deine Brille auf der Nase? Ja? Dann geh zu deinem Augenoptiker. Stört dich dein Hörgerät im Ohr, dann geh zu deinem Hörakustiker! Nein mal ehrlich. Anfänglich und an heißen Tagen darf dir das Ohr schon mal jucken. Sonst sollte es aber Ruhe geben. Ist das nicht der Fall kannst Du dir mit einer Pflegecreme helfen, oder eben ein individuelles Ohrpassstück anfertigen lassen, solltest du es nicht schon gleich empfohlen bekommen haben. Diese gibt es, auch nicht überall, in einem antibakteriellen, weichen Material, welches Wärme zirkulieren lässt ohne das Ohr öffnen zu müssen. Bei in dem Ohr Hörgeräten geht das natürlich nicht so einfach, diese stellen daher auch ein Problem für empfindliche Ohren dar.
Warum ich dir grundsätzlich nur in ganz speziellen Fällen zu einem Im Ohr Hörgerät raten kann, ist ein Thema für einen weiteren Blog Post.
Solltest Du Fragen zum Thema haben oder dich ein anderes beschäftigt schreib es mir in die Kommentare und ich erstelle dir einen Post darüber.